Beim Volkstrauertag in Wasseralfingen

Veröffentlicht am 20.11.2018 in Wahlkreis
 

Zum Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege kam die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier vergangene Woche auf den Friedhof nach Wasseralfingen. Die Rede von Leni Breymaier finden sie im Wortlaut unten:
 

2018, dem Jahr der Hundertjahrfeierlichkeiten – wie etwa zum Frauenwahlrecht, zur Novemberrevolution oder zum Ende des Ersten Weltkriegs – gibt es den Volkstrauertag seit 99 Jahren.

Ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde er 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ins Leben gerufen. Damals brannte sich das furchtbare Elend infolge jahrelanger grauenvoller Gefechte nach und nach ins Bewusstsein der anfangs kriegsbegeisternden Menge. 17 Millionen Menschen fanden zwischen 1914 und 1918 den Tod, darunter viele Soldaten, aber gleichfalls Zivilisten, Frauen, Kinder und Greise.

Erstmals begangen wurde der Volkstrauertag am 1. März 1925, einen Tag, nachdem der erste demokratisch gewählte Reichspräsident, Friedrich Ebert, verstorben war.

Für die Traumatisierten, Vergewaltigten, Missbrauchten und für die im Elend der Armut und unzureichender medizinischer Versorgung teils arbeitslos und teils perspektivlos Daheimgebliebenen war es tröstlich, dass wenigstens einmal im Jahr der Opfer dieses furchtbaren Krieges gedacht wurde. Ins Leben gerufen, um zu mahnen und an das Leid des Krieges zu erinnern, wurde der Volkstrauertag von den Nationalsozialisten zum Heldengedenktag umgemünzt. Der Zweite Weltkrieg und mit ihm der Holocaust sprengten in ihrer Grausamkeit nochmals die Vorstellungskraft darüber, was Menschen anderen Menschen antun können. Er bewies einmal mehr: Der Mensch ist des Menschen Wolf.

Die aktuelle internationale Situation zeigt, dass Kriege nach wie vor zum Weltgeschehen gehören. Dass wir von ihnen wissen, sie aber oftmals nur noch ausblenden können, um nicht zu verzweifeln über die vielempfundene Ohnmacht und Wut, die sie in uns auslösen.

Die abscheulichen und verletzenden Wirkungen und Spätfolgen von Kriegen belasten über Generationen hinweg die Nachgeborenen und die am Kriegsgeschehen nicht direkt Beteiligten. Mit den Jahren verblassen vielleicht die Betroffenheit und die Erinnerungen an jene Zeit.

 

Dennoch spüren wir in uns durch Erzählungen und das Wissen über Lebensgeschichten unmittelbar, wie schrecklich und niederschmetternd Krieg und Vertreibung sich auswirken. Zeitlich sind der Erste und der Zweite Weltkrieg weit von unserer Gegenwart entfernt. Aber nicht zuletzt am 80. Jahrestag der
Reichspogromnacht am 9. November in diesem Jahr rückte der Krieg wieder nah an uns heran. Auch heute wirken zum Beispiel der syrische Bürgerkrieg oder der grausame Krieg im Jemen, beide Tausende von Kilometern entfernt, auf die Menschen, vor allem auf die Kinder, die ihn erleiden müssen. Das Leben einer ganzen Generation wird zerstört.

Ich bin sehr froh darüber, dass sich so viele Menschen aktiv im Ehrenamt engagieren, um Erfahrungen, Erinnerungen und Geschichten des Krieges zu bewahren und sie lebendig zu erhalten.

  • Dank für den Einsatz, der dem Frieden dient.

 

Der Volkstrauertag erinnerte immer daran, dass ein Krieg nicht nur auf einer Seite, sondern immer mindestens auf zwei Seiten Opfer fordert. Uns hat Europa mehr als 70 Jahre Frieden gebracht. Ein großes Glück. Das Friedensversprechen Europas zu bewahren, das ist unsere Pflicht heute.

Wir wissen, dass deutsche Soldaten und Soldatinnen an verschiedenen Orten dieser Erde zu unterschiedlichen Missionen im Einsatz sind. Im Krieg.

 

Positiv sehe ich aktuell das gesellschaftliche Aufbegehren, gegen Lieferungen von Waffen an Saudi-Arabien. Ein Land, das einen verheerenden Krieg im Jemen führt. Erst der brutale Mord an dem Journalisten Jamal Kashoggi, einem Kritiker saudi-arabischer Politik, gab der internationalen Wertegemeinschaft einen Ruck.

Es hilft nicht, sich die Welt schön zu malen. Die zahlreichen internationalen Konflikte hören nicht auf. Nein, mehr und mehr erleben wir, wie Gewalt, Rechtsmissbrauch und Krieg als Mittel eingesetzt werden, um Interessen durchzusetzen. Sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen waren Machtdemonstrationen der Sieger in allen Kriegen.

 

Was setzen wir 73 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gegen den Geist, der Krieg als legitimes Mittel der Durchsetzung von Interessen legitimieren will?

Was setzen wir in einem Jahr, in dem wir 100 Jahre Frauenwahlrecht feiern, gegen die nach wie vor enge Verbindung von Patriarchat, Krieg und Misshandlungen von Frauen?

Die europäische Idee hat uns eine lange Zeit des Friedens gebracht.

 

Und heute müssen wir dem Friedensversprechen Europas ein soziales Versprechen hinzufügen. Nur so können wir dieses europäische Haus stabilisieren und ausbauen. Wir brauchen mehr Europa.

 

Wir alle hier sind überzeugt, dass es eine gute Zeit war, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs unser Leben bestimmte. Darum lassen Sie uns gemeinsam allen Feinden des Rechtsstaats, der Demokratie, der Freiheit, entgegentreten. Entgegentreten, wenn es gegen Arme, gegen Ausländerinnen und Ausländer oder gegen Flüchtlinge geht. Das müssen wir aus der Vergangenheit gelernt haben.

 
 

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