Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?

Veröffentlicht am 01.11.2018 in Wahlkreis
 

Das Thema „Digitalisierung der Arbeitswelt“ stand jüngst im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Bundestagsabgeordneten Leni Breymaier in der Reihe „SPD-Bundestagsfraktion vor Ort“. Als Gäste konnte Breymaier im voll besetzten Gewerkschaftshaus in Heidenheim ihre Calwer Abgeordnetenkollegin Saskia Esken und den Ver.di-Landesbezirksleiter Martin Gross begrüßen. Die Digitalpolitikerin Esken ist im Deutschen Bundestag Mitglied im Ausschuss „Digitale Agenda“ und vertritt die SPD-Bundestagsfraktion in der Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz. 


 

Um angesichts des Wandels der Arbeitswelt, aufkommende Chancen der Digitalisierung zu nutzen, gab Esken in einem Impulsreferat einen Überblick über Fragen, die derzeit in Politik und Wissenschaft intensiv diskutiert werden. 
„Als SPD werden wir uns um die Zukunft der Arbeit kümmern. Das ist die Aufgabe der Sozialdemokratie“, unterstrich die Bundestagsabgeordnete. Sämtliche Lebensbereiche seien durch neue Technologien und die Vernetzung betroffen. Autonomes Fahren und zunehmende Robotik seien keine weit entfernten Zukunftsthemen mehr. Es gehe um den Umbau des Bildungssystems, hin zu einem „lebenslangen Lernen“. „Das Bildungssystem hat weder die digitalen Kompetenzen schon hinreichend auf dem Schirm noch die Notwendigkeit, Menschen zu ermutigen und zu befähigen, ein Leben lang zu lernen“, sagte die 56-Jährige. Ausbildungsberufe müssten neu gedacht, ein Recht auf Weiterbildung verankert werden. Bei aller Produktivitätssteigerung und neuen Möglichkeiten durch „künstliche Intelligenz“ habe der Mensch, nach Meinung sämtlicher Fachleute, noch lange die Oberhand, denn emotionale Intelligenz und Kreativität seien nicht programmierbar, meinte Esken. Ebenfalls wichtig sei es, dass die heutigen Grundstrukturen rechtlicher Standards auch in Zukunft gelten. Ein besonderes Augenmerk lege die SPD auf ein Datenschutzarbeitnehmergesetz, welches die Überwachung der Beschäftigten verhindere.
Esken forderte zudem, Frauen im IT-Bereich stärker als Vorbilder sichtbar zu machen. „Bei vielen öffentlichen Diskussionsrunden sitzen bei den Themen nur Männer auf dem Podium. Dabei gibt es herausragende Informatikerinnen und Informationssoziologinnen.“ 

Martin Gross unterstrich, dass sich durch die Digitalisierung die Teilhabe an Gütern und Wohlstand in der Gesellschaft verändern werde. Nicht jedem müsse mehr ein Auto gehören, wenn das selbstständige Fahrzeug als Dienstleistung abgerufen werden könne. Jobs würden zu Hunderttausenden wegfallen, könnten in gleichem Umfang aber auch neu entstehen. Rationalisierungswellen erwartet der Gewerkschafter im Bereich von Finanzdienstleistungen, im Einzelhandel und im öffentlichen Dienst. „Verlagern werden sich viele Arbeitsplätze auf die Sektoren Erziehung, Gesundheit und ins Sicherheitsgewerbe. Das sagen verschiedene Studien. Wir sind mitten drin in der Digitalisierung und müssen bereits heute die Probleme lösen“, so der Ver.di-Chef weiter. Gerade am Beispiel der Logistik zeige sich häufig ein hoher Grad an Ausbeutung und Überwachung, dem gesetzlich Einhalt geboten werden müsse, wenn der Subunternehmer des Subunternehmers innerhalb Europas monatelang auf Fahrt gehe, um anschließend trotzdem keinen angemessenen Lohn zu erhalten. Wie Esken plädierte Gross dafür, die Ängste der Menschen in Bezug auf den Zeitenwandel ernst zu nehmen, und sich trotzdem technologiefreundlich aufzustellen.

Bei der anschließenden Diskussion hob Leni Breymaier hervor, dass es im Kern um eine Verteilungsfrage gehe: „Der Wohlstand wird auch in der Digitalisierung erwirtschaftet. Unterhalten müssen wir uns darüber, wem die digitale Rendite zugutekommt.“ Das Publikum sprach vor allem die Themen Bildung und Arbeitsschutz im digitalisierten Zeitalter an, es ging um Sehnsucht nach Entschleunigung und um Kritik an Forderungen nach permanenter Erreichbarkeit. Es wurde deutlich, dass sich der Nebel bei diesem großen Thema nur über Information und Diskussion lichtet. Ängste seien nicht unbegründet, gestaltet werden könne die digitale Revolution aber in jedem Fall, war man sich einig.

 
 

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